Die Faszination amerikanischer TV -Serien

Wie schaffen es nur die amerikanischen Produzenten, dass eine riesige Gemeinde von Zuschauern ganze Nächte vor den Bildschirmen verbringen um die Macht- und Thronfolgekämpfe in „Game of Thrones“ zu verfolgen? Welche Faszination zieht uns in Scharen magisch an die TV-Geräte um in der inzwischen 5. Staffel den Kampf um Leben und Tod zwischen einer Handvoll Überlebender gegen Zombies in „The Walking Dead“ zu verfolgen? Was ist das Geheimnis dieser TV-Serien, die inzwischen erfolgreicher als Kinofilme sind und ein neues Zeitalter des Fernsehens einläuteten?

 

Ein Erfolgsgeheimnis ist sicherlich die neue Art des Erzählens. Waren es früher einzelne Folgen, die in 45 Minuten eine Geschichte zu Ende erzählten, wird heute eine komplexe Handlung über mehrere Episoden und sogar ganze Staffeln aufgebaut. Die Drehbuchautoren haben somit die Möglichkeit einen Charakter in aller Tiefe zu beschreiben und sogar eine Wesensänderung über mehrere Staffeln einzubauen. Der Zuschauer wird somit automatisch näher an die Figuren und ihre Gefühle, die sie antreiben, gebracht. Die Identifikation mit den Charakteren und ihren Motiven zieht den Zuschauer unweigerlich tiefer ins Geschehen. Mehrere parallel verlaufende Handlungsstränge werden gekonnt miteinander verknüpft, um eine homogene Geschichte zu erzählen. War es früher bei Dallas noch möglich irgendwann in der Mitte einer Staffel dazu zuschalten, um dem Geschehen zu folgen, ist dies bei den jetzigen komplexen Handlungen nicht mehr möglich. Zusammenhänge und die Motivation, die Darsteller antreibt und bewegt, werden aufwendig aufgebaut. Verpasst der Zuschauer nur eine Folge, fehlen ihm wichtige Inhalte und Ereignisse um emotional an die Figur gebunden zu werden und der Handlung folgen zu können. Mit der emotionalen Bindung an die Charaktere geht auch ein profitabler Umsatz für die Produzenten einher. Denn nicht ohne Grund biegen sich in diversen Geschäften die Regale mit den Staffeln dieser Serien und zusätzlichem Fanmaterial oder der Zuschauer lädt sich die Folgen per Video-on-Demand bequem von Zuhause aus auf seine Festplatte. Auch hier werden Rekorde gebrochen.

Neuartig ist auch die Art und Weise wie Sex und Gewalt gezeigt werden. Schonungslos wird in allen Details gezeigt, wie die Überlebenden im Zombie-Epos „The Walking Dead“ die Untoten zerstückeln. Auch die Überlebenskämpfe gegen Plünderer und die Gewaltbereitschaft, die in jedem steckt wenn es ums nackte Überleben geht, wird hier effektvoll und emotional sehr aufwendig in die Handlung eingebunden. Und wenn der männliche Thronfolger lieber sein Bett mit dem Knappen teilt und nicht mit der arrangierten Ehegattin, dann nicht um der Fleischeslust der Zuschauer zu frönen, sondern um die innerliche Zerrissenheit der Charaktere und die Motive ihre Taten eindrucksvoll zu unterstreichen. 

Imponierend ist auch der Aufbau der Handlungsorte. Waren es früher drittklassige Kulissen in TV-Studios, wo der erste Blick genügte um die kühle Künstlichkeit dieser Welten zu sehen, ist es Dank der Digitaltechnik und großzügigen Budgets möglich, fantastische, aber realistisch ausgearbeitete, Orte zu erschaffen. Aufwendige und detailliert, inszenierte Spielorte müssen den Vergleich mit großen Hollywood-Kinofilmen nicht mehr scheuen. Hier wird erstaunlich viel Wert und szenenbildnerische Kompetenz auf die intensivse Gestaltung der Handlungsräume wie auch auf die Kostüme und die Maske gelegt. Dieser professionelle Auftritt der Produktionen überzeugt die Zuschauer. 

In „Game of Thrones“ ist beispielsweise die große Bedeutung des Raumes erkennbar. Die erfolgreiche US-amerikanische TV-Fantasy-Serie „Game of Thrones“ von David Benioff und D. B. Weiss, basiert auf den Romanen  „Das Lied von Eis und Feuer" von George R. R. Martin. Die Handlung spielt in einer fiktiven Welt und Landschaft –  George R.R. Martin hatte beim Verfassen der Romane jedoch nie im Hinterkopf, dass die Buchvorlage auch für eine Verfilmung dienen sollte. Aus diesem Grund sind sowohl Schauplätze als auch Kostüme und Charaktere in den Romanen überdimensional, fantastisch und in keiner Weise realistisch beschrieben. Diese Tatsache stellte sowohl die Produzenten, als auch die Designer der Serie vor gewaltige Herausforderungen, denn es galt bezüglich Locations und Requisiten möglichst nah an die Romanvorlage zu gelangen.

In 2010 begannen die Dreharbeiten für die erste Staffel. Die Hauptdrehorte dieser Staffel waren in Belfast, Nordirland und auf Malta. Außerdem wurde ebenfalls in Marokko, beispielsweise in Marrakesch und Ouarzazate gedreht. Szenen im Freien wurden in Nordirland bei Sandy Brae in den Mourne Mountains, Castle Ward (Winterfell), Saintfield Estates (Winterfell), Tollymore Forest, Cairncastle, Magheramorne (Schwarze Festung) und Shane's Castle eingefangen. Auch auf Doune Castle in Stirling, Scotland, wurden Szenen für Winterfell gefilmt.

 

Der Opener der Serie kündigt bereits durch den Flug über die imaginären Länder und verschieden Städte den örtlichen Rahmen der Geschichte an. Der modellhafte Aufbau der Städte und der Landkarte könnte fast ein Entwurfsdetail oder eine Übersicht der Production Designer, Gemma Jackson und Deborah Riley, sein. Die Bauwerke und deren Anordnung verraten ebenfalls schon die Haltung und Gesinnung der Herrscher und Bewohner. Selbst der sich daraus ergebene Konflikt ist in dieser räumlichen Darstellung bereits erkennbar. Die Vielschichtigkeit der Bauwerke und Orte lässt auch die vielschichtigen Handlungen erahnen. Es ist verblüffend wie bereits in den ersten 1,5 Minuten durch das Überfliegen der Drehorte ein wesentlicher und beständiger Teil der Geschichte mit der Hilfe des Raumes mitgeteilt wird. Hier wird von Anfang an klar, was der Raum für die TV-Serie für eine Bedeutung haben wird. Königsmund, Drachenstein, Winterfell und Sturmkap sind wichtige Handlungsorte. Und schon die Namen verraten uns den szenografischen Anspruch und welche Atmosphäre hier transportiert werden soll. Düstere, dunkle Bauten deuten auf einen Herrscher hin, der nicht zum Wohl des Volkes regiert. Die Macher der Serie gaben dem Raum außergewöhnlich viel Bedeutung um verschiedene Stimmungen und Atmosphären zu schaffen. Dabei geht es vom heißen Wüstenkontinent, über zu den immergrünen Gefilden bis zum arktischen Norden, in dem Schnee und Eis die eindrucksvollen Kulissen bilden.

 

 

Durch die baulichen Details sind schon die seelischen Stimmungen der Bevölkerung zu erahnen. Stinkende schlammige Gassen im Szenenbild zeigen dem Zuschauer beispielsweise sofort, welches herrschaftliche Schicksal hier von den einfachen Leuten ertragen werden muss. War es früher ein Attribut großer Hollywood-Studios den Zuschauer mit fantastisch gestalteten Welten zu begeistern, läuten jetzt die neuen TV-Serien ein szenenbildnerisch neues Zeitalter. Vorbei sind die Zeiten in denen billige Studio-Produktionen mit laienhaften Schauspielern uns vor den Fernseher lockten. Die junge Generation ist anspruchsvoller und möchte Serien nicht nur sehen, sondern erleben, spüren und emotional mitfiebern. Und hier treffen die Macher aus den USA voll ins Schwarze. Aufwendig erzählen sie mit überzeugenden Schauspielern und Charakteren die fantastischsten Geschichten in denen selbst Räume und Umgebungen fast die Rolle von Hauptdarstellern einnehmen. Hier tragen eindrucksvolle, raffinierte und emotionale Sets zum großen Erfolg bei. Mit aufwendigen räumlichen bzw. baulichen Mitteln werden Stimmungen, Emotionen und Eindrücke an den Zuschauer vermittelt um diesen tiefer ins Geschehen zu miteinzubeziehen und zu fesseln.

Diese Trends lassen sich ebenso auf die Konzeptionsansätze, Ansprüche und -Bedürfnisse eines Markenauftritts übertragen. Der szenografische Ansatz, der uns beispielsweise bei temporären Auftritten wie beispielsweise Messen ein Unternehmen ganzheitlich, nachhaltig und emotional erleben lässt, ist nun auch in der Fernsehwelt angekommen. Dieser konzeptionelle Anspruch funktioniert sowohl bei Unternehmensauftritten als auch in im TV-Bereich und garantiert den Machern durchschlagenden Erfolg.

 

Die aktuelle 5. Staffel von Game of Thrones ist seit Montag, 13. April 2015 auf Sky Deutschland zu sehen. Fans können ab jetzt wieder regelmäßig bei Machtkämpfen und Intrigen mitfiebern. 

 

Text: Christian Flörs/Dietmar Garreis/Martina List

 

 

Game of Thrones

Die erfolgreiche US-amerikanische TV-Fantasy-Serie Game of Thrones von David Benioff und D. B. Weiss, basiert auf den Romanen "Das Lied von Eis und Feuer" von George R. R. Martin.

Die Handlung spielt in einer fiktiven Welt und Landschaft - George R.R. Martin hatte beim Verfassen der Romane jedoch nie im Hinterkopf, dass die Buchvorlage auch für eine Verfilmung dienen sollte. Aus diesem Grund sind sowohl Schauplätze als auch Kostüme und Charaktere in den Romanen überdimensional, fantastisch und in keiner Weise realistisch. Diese Tatsache stellte sowohl die Produzenten, als auch die Designer der Serie vor gewaltige Herausforderungen, denn es galt bezüglich Locations und Requisiten möglichst nah an die Romanvorlage zu gelangen.