Szenografie – die Kunst Dinge zum Sprechen zu bringen 

am Beispiel des Kunstfilms „Loving Vincent“

Vincent Willem van Gogh (* 30. März 1853 in Groot-Zundert; † 29. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise) war ein niederländischer Maler und Zeichner und gilt als einer der Begründer der modernen Malerei. Er ist somit einem breitem Publikum weit über die Kunstszene hinaus bekannt.   

Doch wie gelingt es heutzutage seine Bilder den Betrachtern zugänglich und erlebbar zu machen?

Van Gogh wählte für seine Bildmotive ihm bekannte Menschen und Räumen bzw.  Landschaften, die er selbst erlebte und kannte. Daher erscheint es sinnvoll sich genau mit diesen Räumen zu beschäftigen und sich über dieses Erleben dem Künstler und seinem Leben zu nähern. Van Gogh zeichnete Räume, wie sein Schlafzimmer, das Haus in dem er in Südfrankreich lebte und die Gegenden in denen er lebte. Das Art Institute of Chicago widmete daher auch 2016 eine ganze Ausstellung den Gemälden mit Schlafzimmermotiven von Vincent van Gogh. Seine Werke selbst zu betrachten ist das eine, das andere seine Kunst und seine Räume zu erleben. In Zuge dieser Ausstellung wurde daher auch das Motiv seines Schlafzimmers von der zwei- in die dreidimensionale Ebene übertragen und ein Raum gebaut, den der Besucher betreten kann und somit in van Goghs Welt selbst eintauchen kann. Diese Form der Vermittlung von Inhalten gilt als dreidimensionale Kommunikation. Museen, aber auch immer mehr Unternehmen nutzen die Kommunikation im Raum um Themen erfahrbar und erlebbar zu machen. 

 

 

Auch das Medium Film – das bewegte Bild – wurde kürzlich genutzt um das Leben und Werk einen breitem Publikum zugänglich zu machen. Ein Film und ein Gemälde von van Gogh – also ein zweidimensional festgehaltener Moment, scheinen auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam zu haben. Doch betrachtet man das Wesen eines Films bzw. die Entstehung eines Films genauer, stellt man fest, dass dieser aus aneinandergereihten zweidimensionalen Bildern von dreidimensionalen Räumen entsteht. Ein durchaus geeignetes Medium also, um eine Geschichte über zweidimensionale Bilder und Gemälde mittels Bildern zu erzählen. 

 

>




Loving Vincent – ein Film aus 65.000 Ölgemälden

Die Inspiration für den Kunstfilm Loving Vincent war ein Satz, den van Gogh in einem Brief an seinen Bruder Theo schrieb: „Nun ja, die Wahrheit ist, dass wir nicht anders sprechen können als mithilfe unserer Werke.“ Dieses Zitat hat die polnische Filmemacherin Dorota Kobiela inspiriert und diente als Grundgedanke für Ihren Film. Sie wollte ebenfalls van Goghs Bilder zum Leben zu erwecken und für das heutige Publikum erfahrbar machen.


Der Film gilt als der erste Animationsfilm in Spielfilmlänge, bei dem Szenen zunächst Bild für Bild mit realen Personen gedreht und dann in Öl nachgemalt wurden. Der Film entstand somit aus handgemalten Gemälden. Dafür haben Künstler und Künstlerinnen von überall aus der Welt den Stil des Malers erlernt und van Goghs Motive Szene für Szene weitergemalt, so dass ein bewegtes Bild entstand. Dabei wurden über 65.000 Einzelbilder erschaffen, um van Goghs Werk zum Leben zu erwecken. Pinselstrich für Pinselstrich wurden die Gemälde leicht variiert und somit in Bewegung versetzt. zu erwecken. Auf diese Weise wird es dem Betrachter möglich die Welt so zu sehen, wie van Gogh sie möglicherweise erlebt hat.

 

 

 

Van Goghs geschriebene Briefe als Grundlage für die Handlung

In Loving Vinvent kommen van Goghs Bilder in Bewegung und erzählen ihre Geschichte, um den Tod ihres Schöpfers zu untersuchen und dabei zugleich seine Lebensgeschichte zu erzählen. Die Handlung ist den 800 erhaltenen Briefen entlehnt, die der Künstler im Laufe seines Lebens an Menschen in seinem Umfeld schrieb.  Die gezeigten Personen und Geschichten sind wiederum von 120 Werken inspiriert, die van Gogh hinterlassen hatte. In den genannten Briefen hatte er sein ganzes Leben lang wichtige Ereignisse verarbeitet. 

Text: Martina List

Kuratoren: Christian Flörs/Martina List

 

 

Mehr Infos unter www.lovingvincent-film.de